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„In jeder Aktion steckt Arbeit“

von Haus der Selbstständigen,
veröffentlicht am 13. Oktober 2022
13. Oktober 2022 |
von Haus der Selbstständigen |

Rückblick auf das Vernetzungstreffen der Honorarlehrkräfte am 22. September 2022 …


Was soll eine solo-selbständige Dozentin machen, wenn sie mit ihren Arbeits- und Auftragsbedingungen unzufrieden ist? … sich mit anderen zusammenschließen! Nette Idee – aber wie geht das? Diese Frage stellten einige Kursleiter*innen bei unserer ersten Veranstaltung zur Vernetzung von Honorarlehrkräften. Wir haben sie aufgenommen und uns bei einem Treffen mit Honorarlehrkräften unter dem Titel „Come together“! am 22. September ausführlich damit beschäftigt.

Wir hatten Hajo Kuckero vom Kursleiterrat der VHS-Bremen und Karl Kirsch von den Lehrkräften gegen Prekarität in Leipzig eingeladen, ihr Organisierungswissen in kurzen Inputs mit uns zu teilen. In der anschließenden Diskussionsrunde tauschten 12 Online-Teilnehmer*innen ihre Erfahrungen und Meinungen aus.

Die ersten Schritte

  • Mitstreiter*innen finden:
    Es ist normal mit zwei bis drei Menschen anzufangen – wichtig ist es, einen Anfang zu machen.
  • Realistische Forderungen aufstellen:
    Sie müssen nicht nur von einem selbst, sondern auch in der Öffentlichkeit als gerecht und angemessen empfunden werden.
  • Zusammenhalt sichern:
    Feiert euch auch für kleine Erfolge, überfordert euch nicht und seid euch bewusst, dass es lange dauert, bis sich etwas bewegt.
  • Legitimation stärken:
    Sorgt dafür, dass man euch als Vertretung der Dozierenden-Interessen anerkennt, z. B. indem ihr eine Versammlung der Dozent*innen einberuft und euch wählen lasst.
  • Unterstützung besorgen:
    Anfangs wird man euch ignorieren, holt euch darum Support von Verbündeten, z. B. GEW und ver.di

Ein paar Aktionsideen: Vom Campieren im Rathaus und abgesägten Stühlen

Beide Inputgeber wiesen darauf hin, dass die Handlungsspielräume der Volkshochschulen begrenzt sind. Darum müssen Dozent*innenvertretungen ihre Forderungen an die Politik richten, was auch dem Erleben von Teilnehmenden entsprach. Die Lehrkräfte gegen Prekarität aus Leipzig haben hier viele Erfahrungen gemacht: Karl erzählte, wie man mit Aktionen, an denen nur wenige teilnehmen, trotzdem gute Fotos, Zeitungsartikel und die Aufmerksamkeit von Politiker*innen gewinnen kann. So campierten die Lehrkräfte im Rathaus mit einem entnadelten Tannenbaum, um zu zeigen, dass sie schon lange auf eine politische Antwort auf ihre Tarifvertragsforderung warteten.

Ein anderes Mal veranstalteten sie einen Heiratsmarkt vor der Ratsversammlung, um arme Dozent*innen mit wohlhabenderen Politiker*innen zu verkuppeln – ein Hinweis auf deren aussichtslos prekäre Lage. Zu einer späteren Gelegenheit überreichten sie jeder Stadtratsfraktion einen Stuhl mit einem gekürzten Bein, welches für den Mangel an sozialer Absicherung und existenzsichernden Honoraren stand: Jede*r Politiker*in wurde gesagt, er*sie solle sich einmal täglich darauf setzen, um die prekäre Situation der Dozierenden nicht zu vergessen.  Solche Aktionen haben drei Vorteile: Sie machen Spaß, stärken den Zusammenhalt und auch Kursleitende, die sich nicht regelmäßig einbringen wollen, können mitmachen.

Weniger ist mehr

Karl und Hajo machten deutlich, dass Dozierendenvertretungen in der Regel von wenigen Engagierten getragen werden: Wer von der Arbeit leben will, hat wenig Zeit. Wer sich engagiert, wird sichtbar und gilt schnell als Unruhestifter*in. Darum lautet ihr Rat: Öffentliche Aktionen und Aktivitäten auf wenige Leute zuzuschneiden und zu akzeptieren, wenn Aufgaben und Ideen, liegen bleiben. Denn: Alles ist Ehrenamt!

Verschiedene Volkshochschulen – verschiedene Strategien

Eine Erkenntnis des Abends war es, dass die Situation an Volkshochschulen immer verschieden ist und der Weg um eigene Anliegen durchzubringen ebenso unterschiedlich sein muss: So hat man in Leipzig versucht, eine gewerkschaftliche Betriebsgruppe aufzubauen und Mitglieder (in diesem Fall für ver.di) zu gewinnen, als deren Interessenvertretung man auftreten konnte. Das ermöglichte dann unter anderem, die Stadt zu Tarifverhandlungen für arbeitnehmerähnlich arbeitende Dozierende aufzufordern. In Bremen hingegen nutzte man die Möglichkeiten der dortigen VHS-Satzung: Sie sieht vor, dass eine Versammlung von Kursleiter*innen eine Vertretung wählen kann. Man versuchte viele Dozierende zur Teilnahme an Vollversammlungen der Kursleitenden zu bewegen.

Sie wählten dann einen Kursleiter*innenrat, der VHS-Leitung und Politik als Interessenvertretung anerkannt wurde. Eine Teilnehmerin aus NRW berichtete wiederum davon, dass sie sich ausschließlich als DaZ-Dozierende, die in Kursen des BAMF arbeiten, zusammengeschlossen haben und sich an die Politik wenden. Dies sei die Gruppe mit den größten Chancen etwas durchzusetzen. Das löste unter den Teilnehmenden Widerspruch aus, da man das zwar nachvollziehen konnte, aber unsolidarisch fand.

Kleine Kontroversen: Wieviel Vernetzung tut gut? Wer ist legitimiert?

Kleine Kontroversen gab es um die Frage, in welchem Ausmaß die Vernetzung  mit Bündnispartner*innen in Politik und Medien sinnvoll ist. Einerseits sichert es Ressourcen (z. B. Räume, gedruckte Flugblätter etc.) und Einfluss, andererseits braucht es immer wieder viel Zeit und ist aufwendig. Darüber hinaus klang immer wieder die Frage nach dem Verhältnis von Repräsentativität und Legitimation an, die – wie bereits beschrieben – aus taktischen und manchmal einfach nur praktischen Gründen unterschiedlich beantwortet wird.

Manchmal klappt es einfach nicht und dann auch noch: Corona.

Eine Dozierende aus Baden-Württemberg machte deutlich, dass das Aufrechterhalten einer Aktiven-Gruppe alles andere als leicht ist und teilte ihre Ratlosigkeit: Man hat eine Gruppe aufgebaut, Aktionen zum Weltlehrer*innentag gemacht und sich an VHS-Leitung und die Öffentlichkeit gewandt. Alle Zuständigen blocken jedoch ab und Anliegen lassen sich nicht durchsetzen, so dass sich die  Gruppe nach und nach auflöst. Auch Corona stellt die Initiativen immer noch vor Herausforderungen: Während der Pandemie hat sich das Kollegium an der Leipziger VHS ausgetauscht und die bisher Aktiven kennen kaum noch Dozierende persönlich. Kursleitende müssen neu gewonnen werden und die Gruppe im Grunde neu aufgebaut werden.

Gegen Ende blickte ein Teilnehmer über den Volkshochschul-Tellerrand dieser Veranstaltung und verwies darauf, dass auch in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit einiges im Argen liegt: Hier sind die Honorare niedrig und die Gründung von Interessenvertretung erschwert, weil Teamende in der ganzen Republik verteilt sind und sich ihre Zusammensetzung stets ändert. Beim DGB-Bildungswerk und dessen Entsprechung bei ver.di konnte inzwischen eine Interessenvertretung erstritten werden.

Als Fazit kann man festhalten, dass viele Erfahrungen zusammengetragen und hoffentlich auch Anregungen weitergegeben werden konnten. Deutlich wurde, dass es einen Bedarf an regelmäßigen Treffen für Aktive gibt, wo man sich über seine Organisierungspraxis austauschen kann. Darüber hinaus besteht Interesse an weiteren Veranstaltungen zum Thema Aktionsformen, aber auch Arbeitnehmerähnlichkeit und Sozialversicherung. Als Kritik nehmen wir uns mit, besser auf eine Geschlechterquotierung der Referent*inenn und Redeanteile zu achten. Danke dafür!

Text: Pia Probst

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