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Leipziger Allerlei?

von Haus der Selbstständigen,
veröffentlicht am 31. Mai 2022
31. Mai 2022 |
von Haus der Selbstständigen |

Wie Solo-Selbstständige in der Messestadt arbeiten und leben


Eine neue Analyse der ArbeitGestalten Beratungsgesellschaft mbH im Auftrag des Hauses der Selbstständigen (HDS) eröffnet interessante Einblicke in die Arbeits- und Lebensbedingungen der derzeit rund 30.000 Soloselbstständigen (SoloS) in Leipzig – auch wenn die Datenlage schwierig und diffus ist. „Die Ergebnisse zeigen die Vielfalt von Soloselbstständigkeit, aber auch die immer noch bestehenden Unklarheiten im Zusammenhang mit dieser Erwerbsform“, stellt Cosima Langer, eine der Autorinnen der Analyse, fest. „Leipziger Allerlei“ also?


Die vollständige Publikation der Studie können Sie hier downloaden.

Selbstbestimmt arbeiten – wollen wir das nicht alle? Aber wie genau sehen denn die Bedingungen aus? Und wie können wir sie ändern? Einleuchtende Fragen – die Antworten sind allerdings gar nicht so einfach zu finden. Denn die Datenlage zu soloselbstständiger Arbeit ist mager. Das HDS beauftragte die Beratungsgesellschaft ArbeitGestalten, etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen. Die dynamische ökonomische Entwicklung von Leipzig und der Region eignet sich besonders gut für die Analyse von Strukturdaten der Soloselbstständigkeit.

Im Mittelpunkt standen dabei die Verbreitung und Branchenverteilung der SoloS. Für die Studie wurden neben der Auswertung des Mikrozensus Hintergrundgespräche mit dem Jobcenter Leipzig, dem Statistikservice der Bundesanstalt für Arbeit, dem Leipziger Gewerbeamt, der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sowie der Beratungsstelle für ausländische Beschäftigte in Sachsen (BABS) geführt und mit aktuellen Studien in Zusammenhang gebracht.

Zuverlässige Daten fehlen

Im ersten Teil der Expertise wurden die verfügbaren statistischen Grunddaten zu SoloS aus dem Mikrozensus und der Gewerbeanzeigenstatistik untersucht. Im zweiten Teil ging es um die Ausprägung von Prekarität. „Vorangestellt werden muss allerdings die Bemerkung, dass es keine zuverlässige statistische Erfassung gibt, denn eine rechtliche Definition von Soloselbstständigkeit fehlt“, so Langer. Die Besonderheit „Soloselbstständig ohne Beschäftigte“ wird nicht explizit erfasst. Zudem können SoloS arbeits- oder sozialversicherungsrechtlich in zwei Kategorien eingeordnet werden, was sich immer wieder in Verfahren zur Klärung von Scheinselbstständigkeit zeigt.

„Im Unternehmensregister sind 11.600 Unternehmen ohne Beschäftigte gelistet, das Finanzamt meldet 31.344 Selbstständige ohne Beschäftigte, der Mikrozensus kommt auf 28.100. Wie viele SoloS sich in einer prekären Erwerbssituation befinden, kann statistisch nicht klar benannt werden, da die entsprechenden Kriterien teils nicht überprüfbar sind“, wird in der Analyse von ArbeitGestalten angemerkt. Fest steht aber die Zahlen derjenigen, die aktuell die Unterstützung des Sozialstaats bekommen: 1.803 Personen in Leipzig sind selbstständig erwerbstätig und trotzdem leistungsberechtigt, also von Erwerbsarmut betroffen (im Volksmund „Aufstocker*innen“ genannt).

Immer mehr SoloS in Leipzig

Auch der Mikrozensus als einzige repräsentative Haushaltsbefragung liefert nur wenige aussagefähige Daten. Für Leipzig zeigt die Statistik, dass die Zahl der SoloS im letzten Jahrzehnt deutlich angestiegen ist. Waren es 2010 noch rund 20.000 im Haupt- und 2.500 im Nebenerwerb, waren es 2019 schon 24.000 hauptberuflich und 4.100 nebenberuflich tätige SoloS. „Der Zuwachs ist vor allem durch weibliche hauptberufliche SoloS zustande gekommen“, weiß Langer. Die Frauenquote habe sich von 32 Prozent (2010) auf 44 Prozent (2019) erhöht. In der nebenberuflichen Soloselbstständigkeit ist der Frauenanteil in dem Zeitraum von 44 Prozent auf 48 Prozent angewachsen.

Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) der Leipziger Selbstständigen haben nach den Daten des Mikrozensus keine Beschäftigten, sind also soloselbstständig tätig. Damit liegt Leipzig nur knapp unter der Verteilung in Berlin und deutlich über dem bundesweiten Schnitt, nach dem nur die reichliche Hälfte (56 Prozent) soloselbstständig arbeitet.

©HDS 2022

Überdurchschnittlich gut gebildet

Hinsichtlich ihrer Bildungsabschlüsse sind SoloS überdurchschnittlich: Über die Hälfte der Befragten verfügt über Fach-/Hochschulreife oder Hochschulabschluss, ihr Anteil stieg von 2010 bis 2019 stetig. Im Jahr 2019 gaben fast 75 Prozent, also drei Viertel der befragten SoloS, an, die Fach- oder Hochschulreife erreicht zu haben.

Große Einkommensunterschiede

Dass man mit den meisten soloselbstständigen Tätigkeiten nicht reich werden kann, ist eine Binsenweisheit. Die Statistik belegt das auch für Leipzig: 2010 lebten 11.900 der SoloS mit einem durchschnittlichen monatlichen Haushaltseinkommen (netto) unter 2.000 Euro, 8.600 lagen zwischen 2.000 und maximal 4.000 Euro. 2019 hatten sich die Zahlen fast umgekehrt: Mit unter 2.000 Euro mussten nur noch 8.500 SoloS auskommen, 11.200 waren in der Kategorie bis 4.000 Euro angelangt. Eine positive Entwicklung, trotz aller Schwierigkeiten. Diese dürfte aber durch die Auswirkungen der Corona-Krise deutlich beeinträchtigt worden sein. Zu beachten ist dabei, dass das monatliche Haushaltseinkommen nicht das tatsächliche Einkommen der SoloS ist, denn die Einkommen der Familienangehörigen werden zusammengezählt.

Diese Zahlen zeigen aber nicht die große Spreizung der Einkommen von SoloS: Je nach Beruf und Branche erwirtschaften sie sowohl sehr niedrige als auch überproportional hohe Einkommen“, zeigte eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im Jahr 2015, die auf der Grundlage einer Auswertung von Mikrozensusdaten vorgenommen wurde. Das bestätigt auch die Auswertung des städtischen Corona-Hilfsprogramms Programms „Leipzig hilft Soloselbstständigen“, bei dem die Jahresumsätze der rund 2.700 antragstellenden Leipziger SoloS im Corona-Vorjahr abgefragt wurden.

Demnach lag der durchschnittliche Jahresumsatz der Antragsteller*innen 2019 bei 38.000 Euro. Den mit 17.000 Euro geringsten hatten die bildenden Künstler*innen, den höchsten durchschnittlichen Jahresumsatz die Public-Relations-Berater*innen mit 64.000 Euro. Diese großen Einkommensunterschiede decken sich auch mit den Erfahrungen, die u.a. die größte gewerkschaftliche Organisation von SoloS in Europa, die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, mit soloselbstständigen Mitgliedern hat.

Leipziger Allerlei der Tätigkeiten

Wie unzureichend die statistische Lage ist, zeigt auch der Fakt, dass rund ein Drittel aller SoloS in Leipzig der Sparte „sonstige Dienstleistungen“ zugeordnet ist. Was man weiß, ist: Land- und Forstwirtschaft, produzierendes Gewerbe, Handel, Gastgewerbe und Verkehr, Information und Kommunikation fallen nicht unter diese Sparte.

Das Gewerbeamt Leipzig erfasst nur Gewerbetreibende ohne Beschäftigte, gelistet nach Geschlecht und Beruf. Aber der Status der gewerblichen Soloselbstständigkeit muss kein dauerhafter sein, da theoretisch ja jederzeit Beschäftigte eingestellt werden könnten. Theoretisch… denn von der Soloselbstständigen zur Auftraggeberin zu werden, ist eine Riesenhürde und entspricht vom Aufwand her fast einer Neugründung.  Auf jeden Fall meldeten in den vergangenen zehn Jahren deutlich mehr SoloS ihr Gewerbe ab, als Neuanmeldungen zu verzeichnen waren. Das lässt darauf schließen, dass in Leipzig mehr SoloS in freien Berufen (ohne Gewerbe) arbeiten.

©HDS 2022

Wieder mehr SoloS arbeitslos

Auch in den Daten der Bundesagentur für Arbeit werden SoloS nicht gesondert betrachtet.  Aber eine Sonderauswertung des Jobcenters Leipzig bietet einen guten Einblick in die Vielfalt der Berufe und der Anforderungsniveaus von selbstständigen Jobcenter-Kund*innen in Leipzig. Wie Birgit Keil vom Team Selbstständige am Jobcenter Leipzig angab, seien fast alle der Kund*innen SoloS, klare Branchen ließen sich nicht ausmachen. Die Zahl von ursprünglich selbstständigen Kund*innen ist zwischen 2008 und 2019 (auf ca. 1.700) gesunken, aber durch die Corona-Pandemie wieder stark auf ca. 3.600 Anfang 2021 angestiegen.

Das Jobcenter Leipzig ist besonders gut auf Selbstständige ausgerichtet. Seit 2008 gibt es ein Team für diese Kundengruppe, über 60 Mitarbeiter*innen mit dem Thema Selbstständige befasst. Das ist im deutschlandweiten Vergleich eine überdurchschnittliche Besetzung.

Fazit: Stärkung kollektiver Interessenvertretung nötig

Um auf die häufig mangelhafte soziale Absicherung und die Prekarität von Soloselbstständigkeit einzugehen, ist eine Stärkung kollektiver Interessenvertretung gefragt“, schlussfolgern die Autorinnen der Studie. Dazu müsse aber das Bewusstsein von Soloselbstständigen für die Notwendigkeit von gemeinsamem Handeln wachsen. Individuelle Beratung komme angesichts der gesetzlichen Rahmenbedingungen schnell an ihre Grenzen.

Das Fazit von ArbeitGestalten: „Die Arbeitsbedingungen von SoloS müssen verbessert und deren soziale Absicherung garantiert werden. Scheinselbstständigkeit, vor allem in der Crowdwork, müsse ein Riegel vorgeschoben werden.

„Leipzig als Standort für Kultur-, Kreativ- und Digitalwirtschaft eignet sich sehr gut, um die kollektive Interessenvertretung Soloselbstständiger aktiv mitzugestalten und zu unterstützen. Dabei dürfen jedoch diejenigen, die jenseits dieser hochqualifizierten Branchen soloselbstständig Dienstleistungen erbringen, nicht aus dem Blickfeld fallen“, mahnen die Autorinnen der Analyse.


Die vollständige Publikation der Studie können Sie hier downloaden.
© Gundula Lasch

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