Bild: Praxiswerkstatt HDS

Follow-up „Sorge(n) solidarisch gestalten“: Gute Interessenvertretung braucht verlässliche Daten

von Gundula Lasch


Groß war das Interesse an unserer Follow-up-Veranstaltung zum Thema Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Solo-Selbstständigkeit am 5. August. Wir freuen uns, dass wir offenbar viele solo-selbstständig Tätige mit dem Care-Thema ansprechen. So hatten wir die Veranstaltung in unserem FREIraum im HDS Leipzig hybrid angelegt. Die Angemeldeten hatten offenbar viel konkreten Bedarf und engagieren sich bereits für ihre Berufsgruppe in dieser Hinsicht, konnten aber ihre Hürden im persönlichen Bereich nicht überwinden. So musste der Großteil der Interessentinnen aus genau den Gründen absagen, die sie als Problematik erkannt haben und immer wieder thematisieren: Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Berufstätigkeit – erst recht bei Solo-Selbstständigen – ist eher der Ausnahmefall. Es war also eine eher kleine Gruppe, die dann in Leipzig und online zusammenkam, ihren Bedarf an Austausch und konkreten Schritten aber sehr klar formulierte.

Perspektivwechsel: Was brauchen Interessenvertretungen?

Am 18. Juni hatten wir in Leipzig mit vielen Vertreter*innen von Interessengruppen und Einzelpersonen unter dem Motto „Sorge(n) solidarisch gestalten“ darüber diskutiert, was Interessenvertretungen für Solo-Selbstständige tun können, wenn es um Care-Arbeit geht. Nun ging es um den zweiten Schritt, den Perspektivwechsel: Was brauchen denn Interessenvertretungen, damit sie sich für Solo-Selbstständige einsetzen können? Einig waren sich die Teilnehmenden hier: Interessenvertretungen können in ihre Mitgliedschaft hineinfragen, um sich ein Bild von den Bedarfen machen zu können – aber muss jede dafür das Rad neu erfinden? Welche Fragen braucht es, um aussagefähige Ergebnisse zu erzielen? Können wir voneinander lernen? Außerdem brauchen die meisten Interessenvertretungen auch viele allgemeine Infos zu Care-Arbeit und Erwerbstätigkeit.

Anschluss an bestehende Initiativen zur Vereinbarkeit suchen

Anne Dölemeier vom Spinnennetz e.V. stellte fest: „Die Datenlage zur Vereinbarkeitsproblematik ist sehr dünn, zu Solo-Selbstständigen im Besonderen noch magerer.“  Einige Daten gibt es eigentlich nur aus der „Geht’s gut?“-Umfrage des HDS. Diese war aber nicht nur auf Care-Arbeit bezogen, sondern auf die Arbeitsbedingungen von Solo-Selbstständigen allgemein. Es braucht also eine breitere Datengrundlage zu Vereinbarkeit und Solo-Selbstständigkeit – sowohl branchenübergreifend als auch branchenspezifisch.

Das HDS unterstützt gerne den Erfahrungsaustausch von Interessenvertretungen über bisherige Mitgliederbefragungen. Daraus können gemeinsam Hilfestellungen für Berufsverbände entwickelt und so Grundlagen geschaffen werden, um die Interessen ihrer Mitglieder besser zu vertreten. Eine weitere Idee aus der Runde war, eine Liste von Initiativen und Zusammenschlüssen aufzustellen, an die sich Interessenvertretungen zur Thematik Vereinbarkeit anschließen und sich positionieren können, ohne selbst eigene Aktivitäten entwickeln zu müssen, z.B. beim Bündnis Mutterschutz für Alle!, dem Bühnenmütter e.V. oder der Liga für unbezahlte Arbeit.

Übrigens: Das HDS ist zum Community-Event vom Bündnis Mutterschutz für Alle! am 10. Oktober in Berlin eingeladen. Unsere Kollegin Anna Spenn wird dort unseren HDS-Stand auf dem Markt der Möglichkeiten betreuen. Mehr darüber in Kürze hier im Blog.


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