Das Problem der sozialen Sicherung verbindet

In der Rückschau auf ihre Arbeit im HDS Teilprojekt LMU gibt uns Pia einige Einblicke in die Forschungüber und mit SoloS.

Anhörenswert!

Zurück schauen und vorwärts gehen

Wie wenig Zeit für Reflektion bleibt, wenn die Anforderungen aus der Erwerbsarbeit und die zusätzliche ehrenamtliche, interessenpolitische Arbeit zusammenkommen, wissen viele engagierte SoloS. Wir brachten einige engagierte SoloS zur Retrospektive zusammen.

Wichtig!

Podcast: EIN Rahmenvertrag für VIELE?

Im Gespräch mit André Pollmann von ver.di über die Leistung, mit dem Berliner Senat einen Rahmenvertrag für Lehrkräfte an Volkshochschulen auszuhandeln, und was nötig ist, um als Initiative ernstgenommen zu werden.

Anhören!

Startseite » Blog » Aktuelles » Zurück schauen und vorwärts gehen 

Zurück schauen und vorwärts gehen 

von Haus der Selbstständigen,
veröffentlicht am 21. Dezember 2022
21. Dezember 2022 |
von Haus der Selbstständigen |

Retrospektive zur Arbeit in selbstorganisierten Interessengruppen 


Wie wenig Zeit für Reflektion bleibt, wenn die Anforderungen aus Erwerbs- und Reproduktionsarbeit und die zusätzliche ehrenamtliche, interessenpolitische Arbeit zusammenkommen, wissen viele engagierte SoloS. Dabei ist der Wunsch, sich Zeit zu nehmen, einmal aus dem Wirbel herauszutreten, die eigene Arbeit zu reflektieren groß. Vor allem der so wertvolle Austausch mit anderen Aktiven wird als wichtig empfunden. Einige engagierte SoloS, mit denen wir schon lange in Kontakt sind, sind hartnäckig geblieben und so konnten wir zum Jahresende eine gemeinsame Retrospektive realisieren. 

Bunt zusammengesetzt 

An dem Treffen nahmen Vertreter*innen der Initiativen #engmaschig, Lehrkräfte gegen Prekarität, des MODELKOMPASS sowie von FairYoga und Solo aber nicht allein (hervorgegangen aus der ver.di Kampagne Für die gute Sache! Aber zu welchem Preis?) teil. Judith und Jos vom Kollektiv KOMMA übernahmen als Expert*innen für Mediation, Kommunikation und Entwicklungsprozesse in selbstorganisierten Gruppen die Moderation des Reflexions- und Austauschformats. 

Zentrale Fragestellungen des Austauschs waren Was lief in der selbstorganisierten Zusammenarbeit gut? und Was waren die größten Herausforderungen als selbstorganisierte Gruppe? 

Einzelne Erfahrungen wurden reflektiert und gemeinsam besprochen. Dabei zeigte sich, bei aller Unterschiedlichkeit der Berufe und Branchen sowie Formen der Zusammenarbeit, in denen die engagierten SoloS unterwegs sind, dass viele Erfahrungen geteilt werden. 

Sich über Erfahrungen auszutauschen, bietet auch die Möglichkeit, typische Herausforderungen und Ressourcen bzw. Erfolgsfaktoren zu identifizieren und zu generalisieren. Dieses Wissen kann für die eigenen zukünftigen Aktionen, Projekte und Tätigkeiten genutzt werden. Zugleich findet ein gegenseitiger Wissenstransfer mit den anderen Gruppen und dem Haus der Selbstständigen statt. 

Herausforderungen

Das, was das Feld der Solo-Selbstständigkeit wesentlich kennzeichnet, nämlich eine große Heterogenität und Diversität sowie Individualisierung der Arbeits- und Lebenssituationen ist zugleich eine zentrale Herausforderung für die Organisierung von Solo-Selbstständigen. 

„Es ist schwierig sich als Solo-Selbstständige zu organisieren, weil das Feld so individualisiert ist.“ 


Elisabeth // Solo aber nicht allein – Initiative freiberuflicher Bildungsarbeiter*innen

Zumal es häufig keinen gemeinsamen Ort gibt, an dem sich SoloS informell begegnen und ins Gespräch kommen. Damit geht einher, dass es wahnsinnig schwer ist und die Aktiven viel Zeit und Energie kostet, andere SoloS im beruflichen Umfeld aus der „Vereinzelung“ herauszuholen und davon zu überzeugen, sich zu beteiligen und einzubringen. Denn gegen die Machtasymmetrien am Markt und die Ungleichheiten in der rechtlichen Situation, die sich in den Prekaritätsrisiken äußern, mit denen so viele SoloS, aber häufig als Einzelne kämpfen, ist nur gemeinsam wirksam etwas entgegenzusetzen. 

„Wir bekommen jede Menge positives Feedback, aber eigentlich lebt die Initiative von Beteiligung“


Schrüppe // #engmaschig – Initiative für Handarbeit und nachhaltige Textilien

Diese Herausforderungen und die viele viele, kontinuierliche und kleinteilige, zumeist unbezahlte, v.a. auch kommunikative Arbeit sind bei aller Einsicht in die Notwenigkeit und dem Brennen für die Sache – die Verbesserung der Arbeits- und Vergütungsbedingungen – der interessenpolitisch Aktiven ein gewisser „Realitätscheck“, der auch immer einmal wieder zu Ernüchterung auf der holprigen Berg- und Talfahrt führt. Auch über solche Erfahrungen, über Tabuthemen wie „Scheitern“ muss gesprochen werden. Denn auch diese Erfahrungen sind wichtig und wertvoll – für die eigene und andere Gruppen.

Ressourcen

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Engagement, darin waren sich alle einig, ist eine gute Aufstellung als Gruppe. Dazu gehört ein emphatisches und vertrauensvolles Miteinander, aber auch Methoden für die Kommunikation und Strukturen sowie die Klärung von Zuständigkeiten und die Priorisierung oder auch Anpassung von Zielen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Wissen um Rechte und Möglichkeiten, aber auch Pflichten und gesetzliche Rahmenbedingungen. Dabei wurde betont, dass dieses Wissen v.a. in großen Interessenorganisationen wie v.a. Gewerkschaften vorliegt, man aber auch wissen muss, dass es dort ist und „abgeholt“ werden kann. Netzwerke und Verbündete sind daher von entscheidender Bedeutung. Eine zentrale Ressource ist aber natürlich auch, sich selbst mit den eigenen Interessen und Fähigkeiten in die Gestaltung der Initiative und – darum geht es ja letztlich – der Arbeitswelt einbringen zu können.

Sich diese Ressourcen und erreichte Ziele auch einmal bewusst zu machen, tut gut und gibt Kraft und Mut, trotz aller Widrigkeiten dabei zu bleiben. Und glücklicherweise gibt es sie ja, die Bergspitzen und Erfolge. Oftmals ist das, was ein Erfolg ist, so eine wesentliche Erkenntnis in der interessenpolitischen Arbeit der Aktiven, jedoch auch Definitionssache. 

Denn in der Tat können alle anwesenden Initiativen (und auch weitere, mit denen wir lose oder enger in Kontakt sind) auf eine ganze Reihe von Erfolgen zurückblicken. Sie alle sorgen in ihrem gemeinsamen Handeln – sei es das persönliche Gespräch über die Erwerbsbedingungen in der Branche mit Kolleg*innen oder eine kreative politische Aktion – dafür, dass Solo-Selbstständige selbst ebenso wie Politik und Öffentlichkeit für die Situation „der“ (vielfältigen) Solo-Selbstständigen sensibilisiert werden. 

Unterstützung durch das HDS

Ziel des Treffens war es nicht zuletzt, die herausgearbeiteten Herausforderungen und Ressourcen zu evaluieren und in die zukünftige Arbeit am Haus der Selbstständigen einfließen zu lassen. Welche Unterstützung brauchen interessenpolitische Gruppen für ihre Arbeit? Wie kann das HDS unterstützen?

Thematisiert wurde v.a. der Bedarf an mehr Know-how zur Organisierung von Solo-Selbstständigen, durch Beratung und Qualifizierung, v. a. aber auch durch den Zugang zu Erfahrungen und Austausch mit anderen Gruppen. Dafür sollten weitere Formate gefunden werden. Eine Idee war ein Mentoring-Programm: kollektiv aktive SoloS, die ähnliche Erfahrungen machen und verstehen, worum es geht, wo Hindernisse sind und erzählen können, wie sie mit diesen umgegangen sind. Denn dieses Praxiswissen ist unglaublich wertvoll. Diese Idee reift tatsächlich schon eine Weile im HDS-Netzwerk – zur Umsetzung sind wir jedoch ganz entscheidend auf eure Mitwirkung angewiesen! Wenn ihr euch vorstellen könnt, v.a. auch auf Mentor*innen-Seite, Teil eines solchen Programms zu werden, meldet euch gern per E-Mail bei uns!

Mein Fazit

Dass wir dieses branchenübergreifende Treffen verschiedener Initiativen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands im Hybridformat, realisieren konnten, war für mich ein wunderbarer Abschluss des Jahres und der aktuellen Förderphase. Dafür mein ganz herzlicher Dank an alle, die dabei waren, so offen von ihren Erfahrungen und damit verbunden Gefühlen erzählt und somit uns alle sehr bereichert haben. Ich freue mich auf das neue Jahr und die damit beginnende, nun vierjährige Förderperiode des HDS und den weiteren Austausch mit euch. Wir hoffen viele eurer Ideen und Vorschläge – weiterhin mit euch – weiterzuentwickeln und zu erproben! 


Weiterführende Links:

  1. Eine Kurzvorstellung einiger Initiativen, die beim Treffen dabei waren sowie einige mehr findet ihr bei Eine*r für alle und auch im Initiativen-Kompass. Diese Sammlungen von SoloS, die sich gemeinsam für bessere Arbeits- und Vergütungsbedingungen einsetzen, sollen weiter wachsen – meldet euch gern, wenn ihr euch hier vorstellen möchtet!
  2. Das HDS Beratungsangebot zur Unterstützung von Interessengemeinschaften ermöglicht eine finanzielle Förderung (de-minimis Beihilfe) von passgenauen Beratungsleistungen und Prozessbegleitungen von selbstorganisierten Gruppen. Zu unserem Beratungsnetzwerk gehört u.a. das Kollektiv KOMMA. Fragt gern an! 

Verfasserin: Anne Röwer

Unsere HDS-Netiquette für Blog-Kommentare

Bitte beachtet:

  • Bleibt immer höflich. Für Drohungen, Beleidigungen und Provokationen ist im digitalen Miteinander kein Platz. Rassistische, sexistische und diskriminierende Aussagen jeder Art werden auf unseren Seiten geblockt.
  • Postet keine fremden Fotos oder Videos, ohne zuvor das Einverständnis des Rechteinhabers eingeholt zu haben.
  • Bei der Online-Kommunikation wird häufig geduzt – bitte versteht dies nicht als Respektlosigkeit. Formuliert eindeutige Aussagen, damit keine Missverständnisse entstehen. Dabei helfen Satzzeichen und Emoticons, die die fehlende Gestik teilweise ersetzen.
  • Kennzeichnet Zitate richtig und gebt die Quelle an.

Vielen Dank!

 

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert