Wie leben und arbeiten SoloS in Leipzig?

Eine neue Analyse eröffnet interessante Einblicke in Arbeits- und Lebensbedingungen von rund 30 Tsd. Solo-Selbstständigen in der Messestadt.

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Du bist nicht allein!

von Haus der Selbstständigen,
veröffentlicht am 17. Mai 2022
17. Mai 2022 |
von Haus der Selbstständigen |

Honorardozierende der Erwachsenenbildung trafen sich am 27. April im HDS


Die meisten Lehrkräfte in unterfinanzierten Bereichen der Erwachsenenbildung, wissen, dass ihnen unmögliche Arbeitsbedingungen zugemutet werden. Was oft fehlt ist das Wissen darüber, wie man daran etwas ändern kann und die Vorbilder, die zeigen, dass sich wirklich etwas bewegen lässt. 

Ziel dieses Vernetzungstreffens war es, jene Dozierendenvertretungen vorzustellen, die Verbesserungen ihrer Auftrags- und Arbeitsbedingungen durchsetzen konnten und darüber miteinander ins Gespräch zu kommen: Wir wollten Erfahrungsaustausch und Vernetzung in einer Branche anregen, in der er es nicht leicht ist, sich zu organisieren und in der es schon seit Jahren brodelt.

Über 30 Honorarlehrkräfte waren vor Ort und online zugeschaltet, mit dabei auch Honorardozierende von Volkshochschulen, der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig, ver.di-Bildungseinrichtungen, privaten Sprachschulen, freien Trägern, dem Ganztagesangebot an staatlichen Schulen und vielen anderen Einrichtungen. Darunter ebenso Vertreter*innen von ver.di und dem Deutschem Tonkünstlerverband (DTKV) sowie ehrenamtlich Aktive bei GEW und ver.di.

Gemeinsam, nicht allein: Honorardozierende im HDS Leipzig

Vier beeindruckende Dozierenden-Vertretungen

Eingeleitet wurde der Abend von vier kurzen Inputs:

Clarissa, VHS-Dozentin aus Baden-Württemberg und Aktivistin für die Rechte von Honorarlehrkräften, erzählte in ihrem Beitrag von den vielen Ebenen, auf denen sie mit ihren Mitstreiter*innen versucht, Verbesserungen für Dozierende zu erreichen: Lokal im Gespräch und im Konflikt mit der VHS-Leitung sowie der Stadt als Trägerin der VHS; regional mit Vernetzung über die Städte hinweg in einem Arbeitskreis der GEW; bundesweit über Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit des DaF-DaZ-Lehrkräftebündnis beim BAMF und BMAS. Darüber hinaus können auch rechtliche Wege eine Rolle spielen: Zusammen mit einer Kollegin hat Clarissa in einem langjährigen Verfahren ihr Recht auf Urlaubsentgelt als arbeitnehmerähnlich Beschäftigte gegenüber der Stadt einklagt.

Hajo, ein Vertreter im Kursleiter*innenrat der VHS-Bremen, beschrieb eindrücklich, wie aus der kleinen, von der VHS-Leitung nicht ernstgenommenen Kursleiter*innenvertretung eine personell gut aufgestellte, aktive und erfolgreiche Vertretung wurde. Dazu gehörte, sich auf gemeinsame Forderungen einigen, einen Newsletter mit relevanten Informationen für Kursleiter*innen verschicken, eine monatliche Beratung anbieten und gegenüber der VHS-Leitung selbstbewusst auftreten. Dem Bremer Kursleiter*innenrat gelang es mit dem Land Bremen und der Volkshochschule eine Rahmenvereinbarung auszuhandeln, durch die die Mindesthonorare auf 31,-€ stiegen und Zuschüsse zur Sozialversicherung gezahlt werden.

André, ver.di-Gewerkschaftssekretär aus Berlin, berichtete, wie es der VHS-Dozierendenvertretung gemeinsam mit ver.di gelang, eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Land Berlin zu schließen, die die Dozierenden besser stellt als in weiten Teilen der Republik.

Christiane vom Sprecher*innenrat der Lehrbeauftragen an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ schilderte, wie sie über zehn Jahre Honorarerhöhungen für hochausgebildete Musiker*innen von 20,- bis 30,-€ (pro 45min) 2011 auf inzwischen 40–50€ im Jahr 2022 durchsetzen konnten. Dazu trugen der stete und beharrliche Austausch mit dem Rektorat bei, politische Interventionen auf Landesebene beim Geldgeber Kultusministerium und die bundesweite Vernetzung in der „Bundeskonferenz der Lehrbeauftragen an Musikhochschulen“ (BKLM).

Es braucht einen langen Atem, Mut und viel Arbeit

Als die Beiträge endeten, blieb bei den Zuhörer*innen der schale Eindruck, dass zuständige Politiker*innen oft nicht wissen, dass Dozierende formal selbständig sind und unter niedrigen Honoraren, schlechter sozialer Absicherung und mangelnder Anerkennung leiden. Die Redner*innen teilten zudem die Erfahrung, dass die Verantwortlichkeiten für die prekären Zustände zwischen Ministerien und Ämtern hin- und hergeschoben werden. In den Inputs wurde deutlich, dass Dozierende alle Mittel nutzen müssen, die ihnen die repräsentative Demokratie zu bieten hat: Gespräche mit und Briefe an Abgeordnete, Anfragen in Parlamenten, Anträge in Kooperation mit Parteien, öffentlichkeitswirksame Aktionen, Interviews und Pressemitteilungen an die Medien. 

Es ist wichtig auf verschiedenen Ebenen aktiv zu sein (lokal, regional, bundesweit) und sich Unterstützer*innen und Bündnispartner*innen zu suchen, z. B. andere Initiativen und auch Gewerkschaften. Deutlich wurde auch, dass die organisatorische Arbeit oft auf wenigen Schultern liegt. Immer wieder wurde betont, dass es einen langen Atem braucht, um etwas durchzusetzen – und Mut: Es benötigt Dozierende, die das Risiko eingehen, keine Aufträge mehr zu bekommen, wenn sie sich engagieren.

Im Anschluss wurde in drei hybriden Runden weiterdiskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Die Themen waren so vielfältig und groß, dass der angedachte Zeitrahmen hemmungslos gesprengt wurde. Präsent waren ganz praktische Fragen zu (Selbst)Organisation: Wie bringe ich ein erstes Treffen von Dozierenden zustande, wie motiviere ich sie und was mache ich, wenn es geklappt hat? Aber auch strategische Fragen wurden angerissen: Warum versucht man die Rechte von arbeitnehmerähnlichen Honorarbeschäftigten in Tarifverträgen durchzusetzen und fordert nicht gleich deren Anstellung? Aufgeworfen wurden Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt: Wenn man an einer Einrichtung gute Honorare durchsetzen konnte, was macht man dann mit den hundert anderen Einrichtungen, an denen Dozierende nicht organisiert sind und weiter Hungerhonorare bekommen? Wie kann man insgesamt das Honorarniveau heben?

Am Ende eines langen Abends mit Berichten aus verschiedensten Städten und Bundesländern gab es sowohl Ernüchterung als auch Motivation in Bezug auf die Möglichkeiten und Schwierigkeiten sich zu organisieren und Verbesserungen zu bewirken/zu erkämpfen. Es wurden Kontaktdaten ausgetauscht und viele Teilnehmer*innen machten klar, dass sie große Lust haben sich wiederzutreffen.

Darüber freuten wir uns im Haus der Selbstständigen sehr! Zu den diskutierten Themen wollen wir weitere Veranstaltungen organisieren und stehen schon in den Startlöchern für die Planung der nächsten Treffen!


© Pia Probst

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