Das Problem der sozialen Sicherung verbindet

In der Rückschau auf ihre Arbeit im HDS Teilprojekt LMU gibt uns Pia einige Einblicke in die Forschungüber und mit SoloS.

Anhörenswert!

Zurück schauen und vorwärts gehen

Wie wenig Zeit für Reflektion bleibt, wenn die Anforderungen aus der Erwerbsarbeit und die zusätzliche ehrenamtliche, interessenpolitische Arbeit zusammenkommen, wissen viele engagierte SoloS. Wir brachten einige engagierte SoloS zur Retrospektive zusammen.

Wichtig!

Podcast: EIN Rahmenvertrag für VIELE?

Im Gespräch mit André Pollmann von ver.di über die Leistung, mit dem Berliner Senat einen Rahmenvertrag für Lehrkräfte an Volkshochschulen auszuhandeln, und was nötig ist, um als Initiative ernstgenommen zu werden.

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Reden wir über Geld! ­ Honorare für selbstständige Arbeit

In diesem Wissensbaustein dreht sich alles um das Thema Geld. Das HDS möchte Transparenz schaffen, informieren und unterstützen – sodass Honorare fair(er) und kollektiv verhandelbar werden. Schaut euch hier um und meldet euch gerne, wenn ihr Fragen habt oder Unterstützung braucht. Und gern auch, wenn ihr Ergänzungen habt!

Allgemeine Infos

Die Frage, wie viel selbstständiges Arbeiten wert ist, hat für Solo-Selbstständige besondere Relevanz, weil ihr (anderes als Arbeitnehmer*innen) den Preis für eure Leistung individuell festlegen – und leider auch manchmal vorgegebene Honorarsätze akzeptieren – müsst. Viele Menschen wissen nicht, dass ihr von den erwirtschafteten Einkünften nicht nur die eigenen Lebenshaltungskosten, Steuern und die laufenden Kosten zur Erhaltung der eigenen Beschäftigungsfähigkeit (z.B. Betriebskosten wie Miete, Material, Weiterbildung etc.) zahlen müsst. Hinzu kommen die Kosten für die obligatorische Krankenversicherung und die Altersvorsorge. Dann sollten die Honorare auch noch die krankheits- oder urlaubsbedingten Ausfallzeiten abdecken. Und schließlich gibt es noch eine ganze Bandbreite an unsichtbaren Arbeiten und Posten: Akquise, Reisekosten, Probezeiten, Vor- und Nachbereitung, Steuerberatungskosten etc. Also all das an projektübergreifenden Aufgaben, die oftmals gar nicht mitgedacht und daher auch nicht eingepreist werden (können). Zwischen Soll- und Ist-Zustand, das wisst ihr selbst zu gut, gibt es also noch eine große Diskrepanz.*

Dabei sind sehr viele Solo-Selbstständige beim Thema Vergütung mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert. Die marktüblich gezahlten Honorare sind in etlichen Branchen schlicht zu niedrig (insbesondere im Kulturbereich, Erwachsenbildung oder bei haushaltsnahen Dienstleistungen). Als Solo-Selbstständige*r höhere Honorare gegenüber Auftraggeber*innen auszuhandeln, ist aufgrund der Machtasymmetrie oftmals äußerst schwierig. Einseitige Absprachen untereinander sind wettbewerbsrechtlich auch in Zukunft untersagt. Öffentliche Auftraggeber*innen, die zu wenig zahlen, verweisen nicht selten auf ihre eigene mangelnde Finanzausstattung durch Länder oder Kommunen. Tarifverträge gibt es nur für arbeitnehmerähnliche Personen und davon nur wenige Beispiele. Auch die wenigen existierenden Honorarempfehlungen sind oft nicht durchsetzbar, weil sie nach wie vor unverbindlich sind.

Politischer Regelungsbedarf besteht also an vielen Ecken und Enden. Wohlgemerkt sind aber Ansatzpunkte diesem Rechnung zu tragen, spätestens seit den Lehren aus der Corona-Krise, zunehmend offensiver. Gewerkschaften und andere Interessenvertretungen sprechen regelmäßig über Konzepte für branchenspezifische Basishonorare und auch auf der EU-Ebene gibt es deutliche Verbesserungen, die nun in nationale Praxis umgesetzt werden müssen. Dennoch herrscht bei den aktuellen branchenspezifischen Honoraren nach wie vor Intransparenz. Die vom HDS initiierte „Initiative für faire Honorare“ hatte sich daher zur Aufgabe gemacht, über die große SO_LOS-Honorarumfrage Licht ins Dunkel zu bringen, die Verhandlungsposition von Solo-Selbstständigen zu stärken und Honorardumping zu beschränken.

Diese und andere strukturellen Schieflagen wirken sich nicht nur auf das kollektive, sondern auch auf das individuelle Handeln aus. Schließlich werden in den wenigsten Ausbildungs- oder Studiengängen die Skills zum unternehmerischen Handeln vermittelt. Wie berechnet man das Honorar? Sind all die oben erwähnten Posten einkalkuliert? Und wie begründet man sie gegenüber Kund*innen? Mit diesem Wissensbaustein sowie den anderen Beratungs- und Wissenstransferangeboten laden wir euch ein, euch sowohl individuell als auch gemeinsam für faire Honorare und gute, selbstständige Arbeit fit zu machen!

Wir wollen hier nicht unterschlagen, dass es durchaus auch Branchen gibt, in denen Solo-Selbstständige sehr gut verdienen (z. Bsp. im IT-Bereich, teilweise auch im Designbereich, aber auch bei unternehmensnahen, wissensbasierten Dienstleistungen).

Reden wir über Geld!

Gegen Honorardumping hilft Markttransparenz. Davon sind wir – 54 Berufsverbände, Interessenvertretungen und Zusammenschlüsse von und für Solo-Selbstständige(n) – überzeugt. Deshalb hat unsere Initiative eine bundesweite Honorarumfrage durchgeführt.

Honorarempfehlungen

Hier werden aktuelle Honorarempfehlungen, einzelne Vergütungsregeln und andere, bestehende kollektivrechtliche Regelungen zu Honoraren gesammelt. Aller Anfang ist schwer, deshalb wächst dieser Bereich noch. Schaut gerne immer mal wieder rein und informiert euch zu eurem Beruf! Die Empfehlungen dienen als Grundlage eurer Honorarberechnung und können durchaus selbstbewusst im Vertrag erwähnt werden. Grafiker und Designer orientieren sich beispielsweise am „AGD Vergütungstarifvertrag Design“ der Allianz deutscher Grafikdesigner.

Honorarberechnung

Unternehmerisches Handeln ist eine von vielen Handlungskompetenzen, die für euer dauerhaftes Bestehen auf dem Markt erforderlich sind. In dem ver.di-Ratgeber für Solo-Selbstständige findet ihr dazu, neben allen anderen wichtigen Informationen zur beruflichen Selbstständigkeit, auch ein ganzes Kapitel zum „Geschäft“. Lest hier!

Transparenz und Fairness schaffen Vertrauen…

…und sind unerlässlich für ein gutes Geschäftsverhältnis. Damit Sie sich nicht über meinen Honorarsatz wundern, informiere ich Sie über alle wesentlichen Kosten, die ich als (Solo-) Unternehmen erwirtschaften muss:

Sozialversicherung

  • Beiträge zur Kranken-, Renten und Pflegeversicherung,
  • Beiträge zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung

Büro- und Verwaltung

  • Büromiete und -einrichtung,
  • Technik, Büroartikel,
  • Kommunikationskosten,
  • Buchhaltung und Steuerberatung,

Eigenwerbung

  • Website,
  • Drucksachen,
  • Akquisition

Weitere Versicherungen

  • Geschäftsausfallversicherung,
  • Haftpflichtversicherungen,
  • Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung,
  • Kfz-Versicherung,
  • Versicherungen für Arbeitsmittel

Mobilität

  • Kfz und/oder öffentliche Verkehrsmittel,
  • Übernachtungskosten

Weiterbildung

  • Seminare,
  • Fachliteratur

Rücklagen

  • Urlaub,
  • Krankheit,
  • Auftragsausfälle,
  • Alterssicherung

Digitales Lernmodul

Im Haus der Selbstständigen haben wir ein digitales Lernmodul entwickelt, das (Solo-)Selbstständigen den Einstieg in die Honorarberechnung erleichtern, Grundlagen vermitteln, und weiterführende Informationsmöglichkeiten aufzeigen soll. Das digitale Lernmodul setzt bewusst auf flexibles, orts- und zeitunabhängiges Lernen, da dieser Ansatz am besten mit dem Alltag von (Solo-)Selbstständigen vereinbar ist.

Blog

Aktuelle Beiträge zum Thema Honorare

Podcasts

„Reden wir über Geld!“ war das Motto der vom HDS gestarteten Initiative für faire Honorare. Herzstück der Kampagne „SO_LOS!“ war eine branchenübergreifende Honorarumfrage unter Solo-Selbstständigen, die von 54 Berufs- und Branchenverbänden, Gewerkschaften und Interessenvertretungen mitgetragen wurde. Hier erfahrt ihr, was die Idee hinter der Kampagne war und warum die Umfrage ein erster Schritt in Richtung bessere, faire Honorare für Solo-Selbstständige war.

HDS im Gespräch

Wir besuchten die beiden Spitzenfrauen des BDÜ Nord in Hamburg (Bundesverbands der Übersetzer und Dolmetscher in Norddeutschland (BDÜ Nord) und sprachen mit ihnen über ihr Engagement in Sachen Honorare und ihre Beteiligung an der SO-LOS!-Kampagne. Ihr Berufsverband setzt sich vor allem bei Kommunen und öffentlichen Einrichtungen dafür ein, dass Standards eingehalten und angemessene Honorare für die anspruchsvollen Tätigkeiten von Übersetzer*innen und Dolmetscher*innen gezahlt werden.

HDS im Gespräch

Wir sprachen Prof. Dr. Karin Schulze Buschoff (Referentin für Arbeitsmarktpolitik am WSI) über die Ergebnisse der Studie des WSI der Hans Böckler Stiftung. Sie befragte im Jahr 2021 1350 Selbstständige (davon 856 Solos) u.a. zur Arbeitszeit, zur Einkommenssituation und zu den psychischen Belastungen während der Corona-Krise und formulierte Handlungsempfehlungen.

HDS im Gespräch

Kathy Ziegler sprach in ihrem Podcast „Solo-Selbstständige in der Krise“ mit dem Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Köln-Bonn-Leverkusen, Daniel Kolle, und fragte ihn, wie Solo-Selbstständige in NRW dieses Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf einordnen können. Dieses lautete: “Die Bescheide, mit denen die Bezirksregierung Düsseldorf geleistete Corona-Soforthilfen von den Empfängern teilweise zurückgefordert hat, sind rechtswidrig.” (Pressemitteilung VG Düsseldorf).

Kathy Ziegler

weitere Beiträge

Die Kurzexpertise präsentiert aktuelle Informationen zur Entwicklung selbstständiger Erwerbstätigkeit in ganz Deutschland, zu den Strukturen, ihrer Dynamik sowie zur Einkommenslage und Alterssicherung von Selbstständigen.
Bonin, Holger; Krause-Pilatus, Annabelle; Rinne, Ulf; Koch, Niklas; Nenzel, Charlotte (2022): Selbstständige Erwerbstätigkeit in Deutschland (Aktualisierung 2022): Kurzexpertise. BMAS; IZA. Berlin, Bonn (Forschungsbericht, 601)

Bonin, Holger; Krause-Pilatus, Annabelle; Rinne, Ulf (Aktualisierung 2020): Kurzexpertise. BMAS; IZA.Berlon, Bonn (Forschungsbericht, 545).

Auch in der Selbstständigkeit gibt es eine geschlechtsspezifische Benachteiligung. Der umfassende Bericht gibt einen Einblick in die Situationen und Lebensbedingungen insbesondere von selbstständigen Frauen.
Gather, Claudia; Schürmann, Lena; Trenkmann; Jeannette (2017): (Solo)-Selbstständigkeit als gleichstellungspolitische Herausforderung. Expertise für den Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung.

Vor allem im Vergleich mit den abhängig Beschäftigten zeigt sich, dass die Corona-Krise auch eine Krise für die Selbständigen ist. Die Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zum Thema fordert politische Entscheidungsträger zum Handeln auf. Der Videomitschnitt des Vortrags von Alexander S. Kritikos zur Studie auf der Auftaktveranstaltung des Projekts Haus der Selbstständigen kann hier angesehen werden.
Kritikos, Alexander S.; Graeber, Daniel; Seebauer, Johannes (2020): Corona Pandemie wird zur Krise für Selbstständige. DWI aktuell 47.

Die Corona-Pandemie hat ein Schlaglicht auf die Situation solo-selbstständig Erwerbstätiger geworfen. Mit diesem wurden sowohl die mit diesem Erwerbsstatus verbundenen Prekaritätsrisiken als auch die Unsichtbarkeit dieser Erwerbspersonengruppe im Policy Making deutlich.
Im Podcast HDS im Gespräch sprechen wir mit Karin Schulze Buschoff über die Studie.
Schulze Buschoff, Karin; Emmler, Helge (2021): Selbstständige in der Corona-Krise. Policy Brief WSI 60, 09/2021.

Solo-Selbstständigkeit ist eine sehr heterogene Erwerbsform – was sich auch in den unterschiedlichen Situationen von Solo-Selbstständigen zeigt. Dazu vergleicht der Beitrag die Erwerbslage Solo-Selbstständiger in Deutschland und den Niederlanden und untersucht insbesondere, welche Faktoren die Prekarität von Solo-Selbstständigkeit erklären und welche Handlungsempfehlungen aus den Erkenntnissen folgen können.
Schulze Buschoff, Karin; Conen, Wieteke; Schippers, Joop (2017): Solo-Selbstständigkeit – eine prekäre Beschäftigungsform? In: WSI-Mitteilungen 70 (1), S. 54–61.